München (ots) –
Aktuelle Prognosen und Arbeitsmarktzahlen zeigen einen angespannten Arbeitsmarkt. KI verändert Stellenprofile, die Konjunktur schwächelt, die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt niedrig. Für viele Beschäftigte stellt sich damit eine konkrete Frage: Wie lässt sich der eigene Job sichern, bevor anhaltende Arbeitslosigkeit entsteht? Eine Antwort kann der Bildungsgutschein sein. Er ermöglicht geförderte Weiterbildungen und Umschulungen und kann Menschen helfen, sich rechtzeitig für neue, KI-geprägte Berufsbilder zu qualifizieren.
Der deutsche Arbeitsmarkt steht aus mehreren Gründen unter Druck. Der aktuelle Monatsbericht August 2026 der Bundesagentur für Arbeit zeigt ein angespanntes Bild: Die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit nahm im August erneut zu. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 6,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gibt es 36.000 mehr Arbeitslose. Parallel sind die Chancen, Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Beschäftigung zu beenden wegen der schwachen Arbeitskräftenachfrage schlecht.
Die größten prozentualen Rückgänge bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung verzeichneten gegenüber dem Vorjahr laut aktuellem Monatsbericht Wirtschaftszweige wie das verarbeitende Gewerbe (minus 171.000), Metall- Elektro- und Stahlindustrie (minus 121.000) sowie Handel und Instandhaltung von Kraftfahrzeugen (minus 52.000). Auch im Bereich Herstellung von Vorleistungsgütern, Arbeitnehmerüberlassung sowie Information und Kommunikation war die Anzahl der Beschäftigten rückläufig.
Die Schwäche des Arbeitsmarkts scheint sich zu verstetigen: Laut IAB-Stellenerhebung sinkt die Zahl der offenen Stellen seit 2022 tendenziell.
Hinzu kommt ein tiefgreifender struktureller Wandel. Auch die Prognosen für die kommenden Jahre sind gemischt: Der 23. Forschungsbericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, einer Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, zeigt, dass in den nächsten 15 Jahren rund 790.000 Arbeitsplätze durch KI wegfallen könnten. Die gute Nachricht: In etwa gleicher Größenordnung könnten neue Arbeitsplätze entstehen.
Rückgänge erwartet das IAB vor allem bei Unternehmensdienstleistungen, darunter Sekretariats- und Schreibdienste, Call-Center und Auskunfteien. Ebenfalls negativ betroffen sein könnten Lagerei und sonstige Verkehrsdienstleistungen, Gesundheitswesen, Großhandel, öffentliche Verwaltung, Grundstücks- und Wohnungswesen sowie Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatung. Zuwächse erwartet das IAB vor allem bei IT- und Informationsdienstleistern.
Das bedeutet: KI führt nicht nur zu Arbeitsplatzverlusten, sondern vor allem zu neuen Anforderungen. Stellenprofile verändern sich, Tätigkeiten werden automatisiert, digitale und KI-bezogene Kompetenzen werden wichtiger.
Frederic Fels, studierter Informatiker und Ausbildungsleiter bei der Developer Akademie, erklärt: „Künstliche Intelligenz verändert den deutschen Arbeitsmarkt schon heute. In Stellenanzeigen verschieben sich die Anforderungen deutlich. Viele Beschäftigte verfügen über diese neuen Fähigkeiten noch nicht. Genau deshalb wird der Bildungsgutschein wichtiger: Er kann helfen, neue Qualifikationen aufzubauen, bevor aus technologischem Wandel langfristige Arbeitslosigkeit wird.“
Was fördert der Bildungsgutschein?
Ein Bildungsgutschein kann ausgestellt werden, wenn eine Weiterbildung notwendig ist, um Arbeitslosigkeit zu beenden oder drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden. Damit wird er angesichts veränderter beruflicher Anforderungen zu einem wichtigen arbeitsmarktpolitischen Instrument.
Der Gutschein ist in der Regel befristet, regional begrenzt und auf ein bestimmtes Bildungsziel ausgerichtet. Voraussetzung ist, dass sowohl Bildungsträger als auch Weiterbildung zugelassen sind. Übernommen werden können unter anderem Lehrgangskosten, Lernmittel, Prüfungsgebühren, Fahrkosten, Kinderbetreuung sowie Kosten für auswärtige Unterbringung und Verpflegung.
Während der Weiterbildung wird Arbeitslosengeld in der Regel weitergezahlt. Bei abschlussorientierten Weiterbildungen sind zusätzlich 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat sowie Prämien von 1.000 Euro für eine bestandene Zwischenprüfung und 1.500 Euro für die Abschlussprüfung möglich.
Nutzung von Bildungsgutscheinen ist ausbaufähig
Aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass die geförderte Weiterbildung im Laufe der Jahre immer relevanter wurde. Informatik und andere IKT-Berufe liegen dabei auf Platz 5.
„Das ist ein gutes Signal, aber es reicht noch nicht“, sagt Fels. „Wenn Beschäftigte den Anschluss an die KI-Arbeitswelt nicht verlieren wollen, müssen mehr Menschen IT- und KI-Kompetenzen aufbauen. Die steigende Nachfrage nach IT- und KI-Kenntnissen ist gerade für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger eine große Chance.“
Wie bekommt man einen Bildungsgutschein?
Der Weg zum Bildungsgutschein beginnt mit einem Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter. Die Bundesagentur für Arbeit empfiehlt, zunächst Kontakt aufzunehmen und einen Termin anzufragen. Im Gespräch wird geprüft, ob die Weiterbildung beruflich notwendig ist, welches Bildungsziel sinnvoll ist und welche Förderung im konkreten Fall infrage kommt. Erst wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, wird ein Bildungsgutschein ausgestellt.
Der Ablauf lässt sich in vier Schritten zusammenfassen:
1. Beratungstermin bei Agentur für Arbeit oder Jobcenter anfragen: Der erste Schritt ist die Kontaktaufnahme mit der zuständigen Stelle.
2. Berufliche Situation und Weiterbildungsziel klären: Im Gespräch wird geprüft, ob die Weiterbildung Arbeitslosigkeit beenden, drohende Arbeitslosigkeit vermeiden oder die Beschäftigungsfähigkeit verbessern kann.
3. Geeignete Weiterbildung auswählen: Maßnahme und Bildungsträger müssen zugelassen sein. Die Agentur für Arbeit verweist hierfür unter anderem auf die Weiterbildungssuche im Portal „mein NOW“.
4. Bildungsgutschein einlösen und Weiterbildung starten
Der Gutschein sichert zu, dass bestimmte Weiterbildungskosten übernommen werden, sofern die Bedingungen erfüllt sind. Insbesondere muss die Weiterbildungseinrichtung AZAV-zertifiziert sein.
Praktische Tipps
Praxisnahme Tipps zur Beantragung eines Bildungsgutscheines finden sich in diesem Blogbeitrag: https://ots.de/g7Dlue
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Quelle: ots
